Abschiedsrede von Martina Müller
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vom 26. Januar 2026
Abschiedsrede von Martina Müller, langjährige Fraktionssprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe
– Es gilt das gesprochene Wort –
Wow, ich muss mich erst einmal sammeln.
Zunächst möchte ich mich ganz herzlich bedanken für die illustre Runde liebe Sandra Stein, lieber Wolfgang Pieper, lieber Manfred Rauschen und besonders lieber Markus Kurth und natürlich ganz besonders liebe Bärbel Höhn.
Karen hatte mich gefragt, ob ich dazu kommen wollte, ich gehörte überhaupt nicht in diese Runde. Danke für Eure lieben Worte.
Herzlichen Dank auch an den Landesdirektor Georg Lunemann.
Lieber Georg, danke für die tolle Laudatio. Das alles habe ich nicht erwartet.
Sehr geehrte Frau Vorsitzende Eva Irrgang, sehr geehrter Herr Landesdirektor Georg Lunemann, sehr geehrte 1. Landesrätin Birgit Neyer, lieber Landesrat Emanuel Wiggerich,
liebe Gäste, liebe Freundinnen und Freunde,
Da ich heute überhaupt nicht wirklich wusste, was mich erwartet, bin ich auch nicht so richtig vorbereitet.
Und Ihr wisst, unvorbereitet bin ich eigentlich so gut wie nie in eine Sitzung gegangen.
Deshalb bleibt mir heute vor allem – auch im Namen der anderen verabschiedeten Fraktionsmitglieder – Danke zu sagen.
Danke für die liebevoll geplante und mit vielen Überraschungen gespickte Veranstaltung heute,
besonders an das Orga-Team, vor allem unsere Geschäftsführerinnen Didem Ozan, Lena Ilsemann und Anja Beiers.
Danke an den Vorstand und alle Gäste, die gekommen sind.
Danke für die vielen Jahre der Unterstützung, des Begleitens, des inhaltlichen Austausches, des voneinander Lernens und des Streitens um die besten Lösungen.
Dabei geht mein Dank besonders an meine Co-Sprecher:innen aus den Jahren Birgit Niemann-Hollatz, Gisela Holtz, Heinz Entfellner und besonders, besonders an Karen Haltaufderheide-Uebelgünn. Die letzten Jahre mit Dir, liebe Karen, waren sehr intensiv, aber auch so harmonisch, wie es in der Politik selten vorkommt.
Danke an Euch, liebe Gäste, danke an alle, die dieses Stück des Weges gemeinsam mit mir, mit uns gegangen sind.
Wie gesagt, ich kannte heute keine Gästeliste. Ich wusste nicht, an wen meine Worte adressiert werden.
Sonst hätte ich gerne noch gesagt, dass wir GRÜNE stets inhaltlich gestalten wollen.
Man erinnere sich nur an die unzähligen Anträge zu den vielen Haushalten, die wir alljährlich erarbeiten.
Und wenn wir die Funktion der 1. Landesrätin als sie neu zu besetzen war, von extern grün besetzt haben, dann nicht, um Macht zu entfalten – welche Macht übrigens auch?, sondern, um etwas zu bewegen. Um den Tanker LWL voranzubringen besonders hinsichtlich modernem Verwaltungsmanagement und Digitalisierung, aber auch hin zu mehr Diversität beim Personal. Mit der Stabsstelle Klimaschutz zu mehr Fachlichkeit in der Umsetzung unserer Klima- und Umweltziele.
Und wenn dann aus politischer Eitelkeit, wegen ein paar Stimmen mehr bei der Kommunalwahl für mindestens eine Million Euro in der vor uns liegenden Wahlperiode alles zerschlagen wird, dann macht mich das fassungslos.
Sonst hätte ich gerne auch noch gesagt, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gäste, dass ich – viele wissen das – nach wie vor jeglichen Kontakt zu Rechtsextremisten für fatal halte.
Wer damit droht, Entscheidungen mit den Rechtsextremisten in Kauf zu nehmen, betreibt verantwortungslosen Machtrealismus. Und es ist gefährlich für die Demokratie und verspielt Vertrauen.
Wer mit Rechtsextremisten redet, verschiebt die Mitte. Wer sie einlädt, räumt ihnen Legitimität ein. Wer die Brandmauer einreißt, riskiert, dass andere folgen.
Die weltweiten Erfahrungen und einige Studien weisen darauf hin, dass man völkisch-nationale Parteien mit ihren einfachen Botschaften zu komplexen Fragestellungen und konsequenten Fake News nicht „entzaubern“ kann, indem man sie einbindet oder sogar in Verantwortung bringt.
Einer Partei, die einem Vordenker folgt, der Inklusion als Ideologieprojekt und Menschen mit Behinderung als Belastungsfaktoren bezeichnet, die nicht zu ihrer homogenen Volksgemeinschaft gehören, darf man nirgendwo und erst recht nicht hier im Landschaftsverband die Hand reichen Auch wenn sie demokratisch gewählt wurden, sind sie keine Demokraten, sondern Rassisten, Antisemiten mit nationalsozialistischem Gedankengut.
Liebe Gäste, ich hätte gerne auch noch gesagt, dass der LWL in dem Ziel nicht nachlassen darf, die beschlossene bilanzielle Klimaneutralität 2030 mit aller Macht weiterzuverfolgen.
Schlagzeilen wie: Die Nordsee war 2025 so warm wie nie zuvor“ und
„Erster Klimakippunkt ist erreicht“ sind eindeutig.
Laut des Potsdam-Instituts für Klimaforschung stehen wir vor unumkehrbaren Veränderungen.
Anzeichen dafür ist das großflächige Absterben der Korallenriffe.
Der Amazonas-Regenwald, von dem 100 Mio. Menschen abhängen, und auch die Atlantische Umwälzströmung könnten schon bald kollabieren mit erheblichen Auswirkungen für die Welt, auch auf Europa, Deutschland und natürlich auf Westfalen-Lippe.
Unsere neue Vorsitzende der Landschaftsversammlung Eva Irrgang, an dieser Stelle, herzlichen Glückwunsch auch von mir zum neuen Amt, Eva, weiß das aus familiärer 1. Hand.
Die derzeitige Erderwärmung liegt bereits bei knapp unter den 1,5 Grad, der Schwelle die im Pariser Klimaabkommen festgelegt wurde.
Mit den positiven Entwicklungen wie Fortschritten bei den Erneuerbaren, vermehrter Nutzung von Wärmepumpen, Batteriespeichern, der Vermoorung im Lüntener Wald und E-Fahrzeugen, haben wir uns als LWL ja auf den Weg gemacht.
Aber es geht alles noch viel zu langsam.
Wer dann noch die Gründung einer LWL-Energiegesellschaft von Landesseite behindern will, der hat nicht verstanden, wie notwendig jede noch so kleine Maßnahme ist.
Mit Blick auf meine und auf unser aller Kinder und Enkelkinder dürfen wir nicht nachlassen.
Macht Ihr, machen Sie weiter, dem Klima ist es völlig egal, wer die Entscheidungen voranbringt.
Zum Schluss bleibt mir nur noch der Dank an meine Liebsten, meine Familie, besonders an meinen Mann.
Lieber Willi, Du hast mir 42 Jahre den Rücken für politische Arbeit freigehalten. Du hast zugehört, mit mir diskutiert und vor allem die Emotionen ertragen, die ich aus den Sitzungen mit nach Hause gebracht habe.
Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Natürlich werde ich kein unpolitischer Mensch werden, auch wenn ich aktiv keine Politik mehr mache.
Ich war mit Leib und Seele Kommunalpolitikerin und habe etwas mehr als die Hälfte meines jetzt doch schon recht langen Lebens der GRÜNEN Fraktion in der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe angehört. Der Landschaftsverband mit all seinen Aufgaben ist mir sehr ans Herz gewachsen.
Es war mir eine Ehre, dass ich so lange dabei sein durfte.
Danke fürs Zuhören und bleiben Sie gesund!
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